Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Institut für Sozialmedizin und Gesundheitsökonomie
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Forschungsprojekte am ISMG

Laufende Projekte im Rahmen des Lehrstuhls "Sozialmedizin"
(nach Schwerpunkt sortiert)

 

 

 

VERSORGUNGSFORSCHUNG

Evaluierung von Qualitätsindikatoren in Notaufnahmen in Bezug auf patientenbezogene Outcomerelevanz (ENQuIRE)

Leitung: Dr. habil. Enno Swart
Bearbeitung: Wencke Schindler, Corinna Reupke

Drittmittelprojekt (Innovationsfonds des G-BA, 01.07.2018 bis 31.12.2021)

In dem Projekt ENQuIRE steht die Verbesserung der Versorgungsqualität in Notaufnahmen im Fokus. Hierfür erfolgt eine Evaluierung spezifischer Qualitätsindikatoren im Hinblick auf ihre Relevanz für patientenbezogene Outcomes.Bisher wurden Qualitätsindikatoren deutscher Notaufnahmen als Parameter zur Begutachtung der Prozess- und Strukturqualität, nicht jedoch in Bezug auf patientenbezogen Outcomes untersucht. Innerhalb des Projektes ENQuIRE wird untersucht, ob solche Prozess- und Strukturindikatoren eine valide Prognose für die mittelfristige Ergebnisqualität zulassen. Hierfür erfolgt eine patientenbezogene Verknüpfung von klinischen Daten aus den Aufnahmeprotokollen von  Notaufnahmen mit Daten der Techniker Krankenkasse aus Abrechnungszeiträumen vor und nach der Behandlung in der Notaufnahme in 2019. Zusätzlich wird eine ausgewählte Patientengruppe in Bezug auf die Einschätzung der eigenen Lebensqualität und Zufriedenheit in zeitlichem Abstand zur Notfallbehandlung befragt.

Die Ergebnisse aus dieser Beobachtungsstudie geben einen Hinweis zu dem tatsächlichen Einfluss von Qualitätsindikatoren auf den Erfolg der Behandlung des Patienten in der Notaufnahme. Ziel ist es, zur wissenschaftlich fundierten Optimierung der Gesundheitsversorgung und somit zur Erfüllung des gesetzlichen Auftrages zur Qualitätssicherung durch den Leistungserbringer beizutragen.

Das Projekt ENQuIRE ist eine Kooperation zwischen der Universitätsklinik für Unfallchirurgie (Gesamtprojektleitung) des Universitätsklinikums Magdeburg, dem Institut für Sozialmedizin und Gesundheitsökonomie der Universität Magdeburg (ISMG), der Carl-von-Ossietzky Universität Oldenburg, der Techniker Krankenkasse, der Hochschule Niederrhein, der Charité Berlin und der Private Universität Witten/Herdecke gGmbH. Dem ISMG obliegen hierbei insbesondere die methodische Projektleitung und das Datenmanagement sowie die Patientenbefragung zur Lebensqualität und Zufriedenheit. Das Projekt wird vom Innovationsfonds des G-BA finanziert (Förder-Kennzeichen: 01VSF 17005).

IKK-IVP (Innovation-Versorgungspartner-Patient)
Leitung: Dr. habil. Enno Swart; Dr. Stefanie March
Bearbeitung: Annemarie Feißel, Corinna Reupke
Drittmittelprojekt (IKK gesund plus, )
Die Intervention IKK-IVP (Innovation-Versorgungspartner-Patient) der IKK gesund plus zielt auf eine spürbare Verbesserung der bedarfsgerechten, sektorenübergreifenden Behandlung bei Patienten mit einer schwerwiegenden Akuterkrankung (Schlaganfall, Herzinfarkt). Die Vereinbarung zwischen den Vertragspartnern aus verschiedenen Leistungssektoren soll dazu beitragen, dass durch spezielle Versorgungsabläufe und die aufeinander abgestimmte Behandlung als Ergänzung der herkömmlichen Regelversorgung die Prozessqualität der Behandlung erhöht und somit ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Ergebnisqualität geleistet wird. Zur Erreichung dieser Ziele soll ein Patientenkoordinator der Kasse die Akteure des Netzwerkes verbinden und die Aufgaben der Vertragspartner koordinieren. Das Projekt IKK-IVP garantiert, dass alle relevanten Informationen zum richtigen Zeitpunkt bei den richtigen Personen sind und nicht verloren gehen.

Das neue Versorgungsangebot wird von Wissenschaftlern des Instituts für Sozialmedizin und Gesundheitsökonomie der Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität evaluiert. Die Evaluation besteht aus zwei Modulen. In Modul 1 werden Abrechnungsdaten der Programmteilnehmer_innen genutzt, um das Ausmaß leitliniengerechter Versorgung, den Eintritt oder Verstärkung von Pflegebedürftigkeit sowie die Häufigkeit von Re-Ereignissen und Versterben zu untersuchen. In Modul 2 wird über eine zweimalige Befragung der Programmteilnehmer_innen deren subjektive Gesundheit, mögliche Einschränkungen bei der Ausübung von Alltagsverrichtungen und die Zufriedenheit mit verschiedenen Programmelementen erhoben. Als Kontrollgruppe beider Module dienen Versicherte einer strukturähnlichen gesetzlichen Krankenkasse.Das Programm und die wissenschaftliche Evaluation werden vom Innovationsfond des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert (Förderkennzeichen 01NVF17039).

Integrierte Notfallversorgung: Rettungsdienst im Fokus (Inno_RD)
Leitung: Dr. habil. Enno Swart; Silke Piedmont
Bearbeitung: Janett Powietzka, Linda Zimmermann
Drittmittelprojekt (Innovationsfonds des G-BA, 01.04.2018 - 30.06.2020)

Im Projekt "Integrierte Notfallversorgung: Rettungsdienst im Fokus" (Inno_RD) wird untersucht, wie die Notfallversorgung rund um den Rettungsdienst verbessert werden kann. Unter der Projektleitung des Instituts für Sozialmedizin und Gesundheitsökonomie (ISMG) werden im Konsortium Versorgungsabläufe, an denen der Rettungsdienst beteiligt ist, quantifiziert und hinsichtlich ihres Optimierungspotenzials bewertet.  

Durch die Verknüpfung von Routinedaten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) mit Leitstellendaten und Einsatzprotokollen des Rettungsdienstes sowie durch eine Patientenbefragung wird erstmalig das Versorgungsgeschehen vor, während und nach Rettungsdiensteinsätzen systematisch sichtbar machen. Fragestellungen sind beispielsweise: Werden die Patienten in die passende Zielklinik gebracht? Wie häufig und unter welchen Bedingungen kommt es zu Verzögerungen, weil ein Notarzt nachgefordert werden muss? Wie entwickelt sich der Gesundheitszustand des Patienten nach der Versorgung durch den Rettungsdienst weiter? Sind Patientengruppen erkennbar, die anders hätten versorgt werden können?

Auf den Daten aufbauend werden Experten Verbesserungsvorschläge für die Rettungsdienstversorgung ausarbeiten. 

Zum Projektkonsortium gehören der BKK Dachverband, das Generalsekretariat des Deutschen Roten Kreuzes, die Universitätsklinik für Unfallchirurgie Magdeburg sowie die Abteilung Medizinische Informatik der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Das Projekt wird weiterhin durch diverse Dateneigner unterstützt (11 BKK, DRK Landesverband Bayern sowie die DRK Rettungsdienst Heidenheim-Ulm gGmbH).

deutsch_germanAutonomie im Alter (AiA) – Verbundprojekt // EnglishAutonomy in Old Age (english version here)
Gesamtleitung: Prof. Dr. Bernt-Peter Robra, M.P.H.
Bearbeitung: Astrid Eich-Krohm (Projektleitung ISMG), Julia Piel, Daria Schrage
Drittmittelprojekt (EU & Land, 01.01.2016 - 31.05.2019)

Der Forschungsverbund "Autonomie im Alter – Modellregion Sachsen-Anhalt" arbeitet in 19 Projekten unterschiedlicher Disziplinen an fünf Standorten an Lösungen für die Herausforderungen des demografischen Wandels mit dem gemeinsamen Ziel, selbstbestimmtes Altern regional zu fördern.

Ziel des Verbundes ist – anknüpfend an den Strategie- und Aktionsplan für gesundes Altern in der Europäischen Region (2012-2020) der WHO – innerhalb der 3-jährigen Projektlaufzeit ein dynamisches Netzwerk zu initiieren, in dem Wissenschaft, Wirtschaft und die Lebenswelt der Bürger_innen miteinander interagieren. Hieraus ergeben sich neue Netzwerk- und Kooperationsbeziehungen in Sachsen-Anhalt und die sektorenübergreifende Weitergabe von Wissen wird gestärkt.

Die Zusammenarbeit in diesem Forschungsverbund wird vom Team des Zentralprojektes "Autonomie im Alter" (AiA) unter der Leitung von Prof. Dr. Bernt-Peter Robra und Dr. Astrid Eich-Krohm des Institutes für Sozialmedizin und Gesundheitsökonomie (ISMG) der Medizinischen Fakultät der OvGU projektbegleitend erforscht. Darüber hinaus setzt sich das Team des Zentralprojektes AiA mit aktuellen Alter(n)sbildern auseinander.

Ermöglicht werden das Zentralprojekt und die Teilprojekte des Verbundes durch Fördergelder der EU und eine Kofinanzierung des Landes Sachsen-Anhalt mit einem Gesamtvolumen von rund 11 Millionen Euro.

RHESA  – Das Regionale Herzinfarktregister Sachsen-Anhalt
Leitung: Prof. Dr. Bernt-Peter Robra, M.P.H.
Gesamtprojektleitung: Prof. Dr. Winfried Mau (kommisarisch; Universität Halle)
Drittmittelprojekt (Land Sachsen-Anhalt; Herzstiftung, weitere; 01.01.2013 - voraus. 2019)

Die altersstandardisierte Mortalität bei Herzinfarkt lag im Jahr 2011 in Sachsen-Anhalt um 43% über dem Bundesdurchschnitt (Deutscher Herzbericht 2011). Damit nahm Sachsen-Anhalt bundesweit die Spitzenposition ein. Bisher liegen aber keine standardisiert erhobenen Daten zur Ursache dieser erhöhten Mortalität vor.  Das Ziel ist es, in einer städtischen und einer ländlichen Wohnbevölkerung des Landes Sachsen-Anhalt eine regionale Herzinfarktregistrierung zu etablieren, um zu untersuchen, durch welche strukturellen und prozessualen Determinanten sich die überdurchschnittlich hohe Mortalität am akuten Myokardinfarkt im Land Sachsen-Anhalt erklären und durch welche Maßnahmen sie sich gezielt beeinflussen lässt.

Im Jahr 2016 wird das Projekt gefördert vom Ministerium für Arbeit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt, IKK gesund plus, AOK Sachsen-Anhalt, Verband der Ersatzkassen e. V., Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, Deutsche Herzstiftung e.V. und dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG).

Krankenhausfallanalysen
Leitung: PD Dr. Enno Swart Drittmittelprojekt (AOK Sachsen-Anhalt, 2004 bis auf Weiteres)

Im (bereits seit 1994 laufenden) Projekt werden die Routinedaten der AOK aus dem stationären Bereich einer kontinuierlichen (jährlichen) sozialmedizinisch-epidemiologischen Ananylse unterzogen. Die Ergebnisse werden den an der stationären Versorgung beteiligten Institutionen zur Verfügung gestellt.

Reha vor Pflege – Analyse von Rehabilitationsempfehlungen bei der Pflegebegutachtung älterer Menschen
Leitung: Prof. Dr. Bernt-Peter Robra, M.P.H.
Bearbeitung: Claudia Schindler (MDK Sachsen-Anhalt)
Dissertationsprojekt (01.03.2017-30.06.2018)
In Sachsen-Anhalt ist bei der Pflegebegutachtung der Anteil der Reha-Empfehlungen in den Pflegegutachten geringer als im Bundesdurchschnitt. Jedoch wird häufiger zeitnah zu einer schon vorhergegangenen Rehabilitation eine erneute Reha-Empfehlung ausgesprochen.

Zeitnah erneut ausgesprochene Reha-Empfehlungen können bspw. durch neu hinzugetretene Erkrankungen begründet sein. Sie können aber auch darauf hinweisen, dass die vorherige Rehamaßnahme nicht ausreichend oder nicht nachhaltig war, das Reha-Potential also nicht ausgeschöpft wurde.

Anhand der im Pflegegutachten dokumentierten Kontextfaktoren sollen daher Risiko- und Schutzfaktoren identifiziert werden, die bei Pflegeantragstellern unterstützen, dass schon vor der Pflegebegutachtung eine komplexe rehabilitative Maßnahme initiiert wurde.

Für die Versicherten mit einer Rehabilitationsempfehlung im Pflegegutachten (Fallgruppe) und für eine Kontrollgruppe ohne Reha-Empfehlung wird analysiert, ob sich in der Art, Indikation und ggf. Dauer der Rehabilitationsmaßnahme vor einer Pflegebegutachtung Hinweise finden, die begründen, warum bei Pflegeantragstellern in Sachsen-Anhalt häufiger als im Bundesdurchschnitt medizinische Gründe für eine erneute zeitnahe Rehamaßnahme vorliegen.

Die Arbeit stützt sich auf alle Pflegegutachten von über 65-jährigen Erstantragstellern des MDK Sachsen-Anhalt im Jahr 2016. Das Vorgehen ist mit dem Betrieblichen Datenschutzbeauftragten des MDK abgestimmt. Die Ethikkommission der OvGU hat dem Vorhaben zugestimmt.

Bewältigungsarbeit pflegender Angehöriger im Erleben von und Umgang mit Demenz
Leitung: Prof. Dr. Bernt-Peter Robra, M.P.H.;
Dr. Astrid Eich-Krohm;
Bearbeitung: Anne Bretschneider
Haushaltsprojekt (01.01.2015 - 30.06.2018)  

Das Syndrom Demenz ist eine chronische, progressive Erkrankung ohne kurative Therapiemöglichkeiten. Diese Tatsache stellt besondere Bewältigungsanforderungen an den erkrankten Menschen und seine Angehörigen. Ein wichtiger Ansatz in der Betreuung demenzkranker Menschen ist, die Angehörigen in ihrem Bewältigungsprozess zu unterstützen. Wann, wie und warum werden die kognitiven Veränderungen des Patienten von den Angehörigen realisiert und wie gehen sie im weiteren Verlauf mit den Veränderungen um? Welche Rolle spielen dabei Geschlecht, Alter, Wohnort, Bildungsgrad und Biographie?

Basis der Untersuchung bilden narrative Interviews, die mit Patienten und Angehörigen aus neun Familien geführt und nach Mayring ausgewertet wurden. Zwei individuelle Fallverläufe aus der Perspektive der jeweiligen pflegenden Angehörigen werden skizzieren. Das umgebende Laiensystem, die beteiligten medizinprofessionellen Versorgungsstrukturen sowie die Bedeutung der Beziehung zwischen Patienten, Angehörigen und Ärzten werden untersucht. In Anlehnung an die Grounded Theory (Glaser und Strauss 1999) werden die Bewältigungsmechanismen herausgearbeitet, ein Modell zu Alltagsbewältigungsmechanismen pflegender Angehöriger wird entwickelt. Dieses Modell kann der medizinischen Versorgung helfen, die Situation der Betroffenen zu verstehen und den Bewältigungsprozess zu unterstützen.

Bisher wurde deutlich, dass der Bewältigungs- und Versorgungserfolg wesentlich von Persönlichkeitsstrukturen der pflegenden Angehörigen abhängt. Deren Eigeninitiative ist ein entscheidender Faktor, um Kontakt zu den Versorgungsstrukturen aufzubauen.

Die Ethikkommission der Universität Magdeburg hat dem Projekt zugestimmt. Die Projektbearbeitung wurde durch ein Promotionsstipendium der Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität gefördert.

SEKUNDÄRDATENANALYSEN

Bundesweite einheitliche Wissenschaftliche Evaluation von Modellprojekten nach § 64b SGB V (EVA64)
Leitung am ISMG: PD Dr. Enno Swart; Projektleitung insg.: Prof. Dr. Jochen Schmitt, M.P.H. (Universitätsklinikum Dresden) Drittmittelprojekt (Konsortium von mehr als 50 GKVn; 01.09.2015 - 31.08.2026)

Bei Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen ist eine sektorenübergreifende und gut vernetzte Behandlung durch die einzelnen Leistungserbringer von größter Bedeutung für den Behandlungserfolg. Forscher des Instituts für Sozialmedizin und Gesundheitsökonomie (ISMG) bringen daher ihre Expertise zur Analyse von Sekundärdaten in das Projekt ein. Ziel der wissenschaftlichen Evaluation ist die Messung von Effektivität, Kosten und Effizienz der Modellvorhaben zur Verbesserung der Versorgung von psychisch kranken Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.

In einer elfjährigen Evaluationsstudie, kurz „EVA64“, werden unter Federführung von Versorgungsforschern (Leitung: Prof. Dr. Jochen Schmitt vom Zentrum für evidenzbasierte Gesundheitsforschung Dresden) und klinischen Partnern des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus der TU Dresden und dem Wissenschaftlichen Institut für Gesundheitsökonomie und Gesundheitssystemforschung (WIG² GmbH) aus Leipzig die medizinischen und gesundheitsökonomischen Effekte von Modellvorhaben zur Stimulierung stationsersetzender, also teilstationärer oder ambulanter Leistungen bei Menschen mit psychischen Erkrankungen untersucht.

Vorgesehen ist eine prospektive und retrospektive sekundärdatenbasierte – das heißt auf Abrechnungsdaten der GKV basierende - Parallelgruppenstudie. Die Interventionsgruppe der jeweiligen Modellkliniken wird jeweils mit einer geeigneten Kontrollgruppe verglichen, das heißt mit Patienten aus Kliniken, die nicht Teil der Modellverträge sind. Auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Nutzung von Sekundärdaten besitzt das ISMG eine ausgesprochene Expertise.

 Kompetenznetz Sekundär- und Registerdaten im Rahmen der NAKO Gesundheitsstudie
– 2. Förderphase
Leitung am ISMG: PD Dr. Enno Swart
Bearbeitung: Christoph Stallmann, Annemarie Feißel
Drittmittelprojekt (BMBF, 01.05.2018 - 30.04.2023)

Das Forschungsvorhaben "NAKO Gesundheitsstudie" (NAKO) hat sich zum Ziel gesetzt, Risikofaktoren und ätiologische Mechanismen für multifaktoriell bedingte, chronische Krankheiten und ihrer frühen Krankheitsstadien zu identifizieren. Hierfür werden in einer prospektiven Kohortenstudie deutschlandweit ca. 200.000 Teilnehmer zwischen 20 und 69 Jahren untersucht und zunächst über einen Zeitraum von 10 Jahren nachverfolgt.
Das Institut für Sozialmedizin und Gesundheitsökonomie arbeitet als koordinierender Knoten mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum und dem Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie BIPS im "Kompetenznetz Sekundär- und Registerdaten" innerhalb der NAKO. Hauptziel des Kompetenznetzes ist die Anreicherung der NAKO Forschungsdaten um retro- und prospektive Gesundheits-und Sozialdaten im Rahmen des passiven Follow-ups der Teilnehmenden. Diese zusätzlichen, sehr detaillierten gesundheitsbezogenen Informationen helfen, chronische Erkrankungen in Entstehung und Verlauf besser zu verstehen. Relevante Dateneigner sind gesetzliche und private Krankenversicherungen, epidemiologische und klinische Krebsregister, das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung in Deutschland, die Deutsche Rentenversicherung sowie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit. Aufgrund der hohen Sensibilität der zu erschließenden Daten ist deren Übermittlung und Nutzung mit hohen datenschutzrechtlichen Anforderungen verbunden, die das KompN umsetzt und fortlaufend überwacht. In der 2. Förderphase werden weitere Kooperationen mit Dateneignern aufgebaut und bereits bestehende weiterhin gepflegt. Der Fokus wird auf der Aufbereitung und Validierung von Sekundär- und Registerdaten für deren Integration in die NAKO Forschungsdatenbank liegen.
Die Gesamtprojektleitung liegt beim Trägerverein NAKO e.V..

 Wirksamkeit sektorenübergreifender Versorgungsmodelle in der Psychiatrie – eine prospektive, kontrollierte multizentrische Beobachtungsstudie (PsychCare)
 Leitung am ISMG: PD Dr. Enno Swart; Projektleitung insg.: Prof. Andrea Pfennig (Technische Universität Dresden)
Bearbeitung: Linda Zimmermann
Drittmittelprojekt (Innovationsfond G-BA, 01.07.2017 - 30.06.2020)

In einer kontrollierten prospektiven multizentrischen Studie werden die Wirkungen (Nutzen, Kosten, Effizienz) von psychiatrischen Modellprojekten nach §64b SGB V aus Sicht von Patienten, Angehörigen und Behandlern im Vergleich zur Regelversorgung untersucht. Dazu werden in jeweils zehn Modell- und Kontrollkliniken Patienten mit definierten psychiatrischen Diagnosen (u.a. Suchterkrankungen, affektive Störungen, Schizophrenie) zu Beginn der Behandlung und nach neun bzw. 15 Monaten zu ihrer Lebensqualität und Behandlungszufriedenheit befragt. Zusätzlich werden gesundheitsökonomische Indikatoren der Effektivität und Effizienz erhoben. Zusätzlich werden bei Vorliegen eines individuellen Einverständnisses der Studienteilnehmer deren GKV-Abrechnungsdaten zur Abbildung von Behandlungsverläufen analysiert und mit den übrigen Studiendaten individuell verlinkt. In der Verantwortung des ISMG liegt die Organisation dieser Datenintegration unter Gewährleistung datenschutzrechtlicher Auflagen inkl. der Entgegennahme, Prüfung und Aufbereitung der GKV-Abrechnungsdaten sowie ihrer anschließenden Übermittlung an die Konsortialpartner.

Verwertungspotenzial: Die Studie verspricht inhaltlich wichtige Rückschlüsse für die Optimierung des medizinischen Outcomes und der Qualität der Versorgung psychisch kranker Menschen sowie methodisch Erkenntnisse darüber, wie unter Wahrung des Datenschutzes und unter Berücksichtigung unterschiedlicher Datenstrukturen der beteiligten Krankenkassen eine kassenübergreifende Evaluation von Modellvorhaben möglich ist.

Das Projekt wird von Prof. Andrea Pfennig der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Technische Universität Dresden, geleitet. Beteiligt sind weiterhin die Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universitätsklinik Würzburg, die Hochschulklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinische Hochschule Brandenburg, die WIG2 GmbH, das Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (ZEGV) der TU Dresden sowie sechs gesetzliche Krankenkassen (GKV).

 Gesundheitsförderung und Prävention im Setting Quartier (Gesunde Quartiere)
Leitung am ISMG: PD Dr. Enno Swart; Projektleitung insg.: Prof. Joachim Westenhöfer (HAW Hamburg)
Bearbeitung: Maria Schimmelpfennig
Drittmittelprojekt (Landesforschungsförderung des Hamburger Senats, 01.07.2017 - 30.06.2020)
 

Ziel des Forschungsverbundes ist es, Methoden zu entwickeln, mit denen die gesundheitliche Lage in städtischen Quartieren veränderungssensitiv beschrieben werden kann, und mit diesem Instrumentarium die gesundheitliche Lage verschiedener Hamburger Quartiere mit unterschiedlicher Ausprägung der sozialen Lage zu untersuchen. Mittels eines partizipativen Ansatzes werden Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheit und Lebensqualität in ausgewählten sozial benachteiligten Quartieren entwickelt, umgesetzt und evaluiert. Neben quantitativen und qualitativen Erhebungen in ausgewählten Quartieren Hamburgs unterschiedlicher Sozialstruktur sollen Abrechnungsdaten kooperierender Krankenkassen und der kassen(zahn-)ärztlichen Versorgung Hamburgs für eine kleinräumige Darstellung der Morbidität und der Inanspruchnahme einer Vielzahl medizinischer Leistungen, inkl. solcher der Prävention, genutzt werden. Für die Evaluation spezifischer Interventionen oder von Präventionsmodelle wird im weiteren Projektverlauf eine individuelle Verlinkung von Primär- und Sekundärdaten angestrebt. Die erschlossenen Abrechnungsdaten sollen bei der Entwicklung eines kleinräumigen Gesundheitsinformationssystems berücksichtigt werden. Das ISMG unterstützt als externe Partner mit seiner speziellen Expertise in Sekundärdatenanalyse die anderen Forschungseinrichtungen.

Durch das Projekt werden die Voraussetzungen für die Evaluation langfristiger Interventionseffekte in einem cluster-randomisierten Studiendesign auf Basis von Primär- und Sekundärdaten geschaffen. Der Forschungsverbund erarbeitet eine verlässliche Datenbasis zur Gestaltung und Evaluation von Gesundheitsförderungs- und Präventionsmaßnahmen im Setting Quartier. Die Gesamtleitung des Projektes liegt bei Prof. Westenhöfer der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg.

Versorgungsanalyse zu Linksherzkatheteruntersuchungen
Leitung: Prof. Dr. Bernt-Peter Robra, M.P.H.
Bearbeitung: Silke Piedmont
Haushaltsprojekt (

Krankenhausaufnahmen und Sterblichkeit wegen Herzkrankheiten liegen in Sachsen-Anhalt über dem Bundesdurchschnitt (Herzbericht 2016). Die Studie widmet sich der Linksherzkatheter-Versorgung in Sachsen-Anhalt. Linksherzkatheteruntersuchungen (LKU) werden durchgeführt, um zu beurteilen, ob zur Sicherung oder Wiederherstellung des Blutflusses weitere Maßnahmen wie eine perkutan-transluminale Gefäßintervention an Herz und Koronargefäßen (PTCA) oder eine Bypass-Operation notwendig sind. LKU sollen laut Leitlinie durchgeführt werden, wenn vorab eine (oder beide) dieser invasiven therapeutischen Konsequenzen in Betracht gezogen werden.

Fragestellungen im Projekt sind daher u. a.:

  • Wie stark variieren die Raten an LKU und deren invasive therapeutische Konsequenz zwischen den Landkreisen und den Krankenhäusern des Landes?
  • Welche Patientenmerkmale (z.B. Alter, Diagnose) gehen bevorzugt mit einer LKU einher, der keine PTCA oder Bypass folgen?
  • In welchem Zusammenhang stehen die LKU-Raten, die therapeutischen Interventionsraten und die Entlassungsraten mit Herzinfarkt-Diagnosen?

Zur Beantwortung werden 10.906 pseudonymisierte Krankenhausfälle von 9.791 Versicherten der AOK Sachsen-Anhalt einbezogen, bei denen 2011 eine LKU dokumentiert wurde. Diese werden hinsichtlich ihrer darauf folgenden invasiven Konsequenzen bis zum 31.12.2012 nachverfolgt.

Erste Ergebnisse sind veröffentlicht (Piedmont et al. Linksherzkatheteruntersuchungen und ihre invasive Konsequenz -- Regionalvergleiche ermitteln auffällige Unterschiede, ZEFQ 2017). Es sind weitere Evaluationen geplant, um die identifizierten Optimierungspotentiale in der Versorgung zu überprüfen.

Erstellung eines Berichtsstandards für Sekundärdatenanalysen
Leitung: PD Dr. Enno Swart Haushaltsprojekt (01.01.2014 - 31.12.2018)

Sekundärdatenanalysen haben in den vergangenen Jahren zunehmende Bedeutung in der Gesundheitsforschung erlangt. Gleichwohl existieren bislang keine Empfehlungen für die standardisierte, transparente und vollständige Berichterstattung von Sekundärdatenanalysen. In einem ersten Schritt wurde geprüft, inwieweit das STROBE-Statement, der Berichtsstandard für epidemiologische Beobachtungsstudien, den spezifischen Eigenschaften von Sekundärdatenanalysen genügt und inwiefern Ergänzungen bzw. Modifikationen notwendig erscheinen. Die daraus vorgeschlagene STROSA-Checkliste (STandardized Reporting Of Secondary data Analyses) umfasste zunächst 29 Kriterien, die in einer kritischen Reflexion von Mitgliedern der Arbeitsgruppe Erhebung und Nutzung von Sekundärdaten (AGENS) der DGSMP und der DGEpi nunmehr auf 27 kondensiert wurden, die den Abschnitten Titel/Zusammenfassung, Einleitung, Methoden, Ergebnisse, Diskussion und zusätzliche Informationen eines Artikels zugeordnet werden. Die Fortschreibung wurde 2016 in der Zeitschrift Gesundheitswesen publiziert (e-vorab; DOI: 10.1055/s-0042-108647) und wird anschließend systematisch unter Sekundärdatenforschern einer ersten Revision zugeführt. Der Name des Berichtstandards wurde unter Beibehaltung des Akronyms in STandardisierte BerichtsROutine für SekundärdatenAnalyen geändert.

Es wird mit dem Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsforschung, Universitätsklinikum Dresden, kooperiert.

Erstellung einer Guten Praxis Datenlinkage
 Leitung: Stefanie March Haushaltsprojekt (01.01.2016 - 31.12.2020)

Die Zusammenführung von Primär- und Sekundärdaten wird vielfach als Chance für die epidemiologische Forschung gesehen. Der Ansatz eines von Anfang an angelegten Datenlinkage von Primär- und Sekundärdaten wird allerdings in Deutschland erst seit wenigen Jahren verfolgt. Die damit verbundenen organisatorischen und datenschutzrechtlichen Herausforderungen sind beträchtlich und erfordern eine profunde Kenntnis von Voraussetzungen und Möglichkeiten aber auch Limitationen der Sekundärdatenanalyse. Aufgrund der vielfältigen Erfahrungen am ISMG mit Datenlinkage wird eine Gute Praxis Datenlinkage in Ergänzung der Guten Praxis Sekundärdatenanalyse (GPS) entwickelt, die für Forscher Handlungsempfehlungen für derartige Studiendesigns geben soll. Die Entwicklung wird vorangetrieben durch eine gemeinsame Projektgruppe der Arbeitsgruppe Erhebung und Nutzung von Sekundärdaten (AGENS) der DGSMP und der DGEpi und der Arbeitsgruppe Datenlinkage und Validierung des Deutschen Netzwerks Versorgungsforschung. Die Publikation einer ersten Version ist für Anfang 2017 vorgesehen, die anschließend einem systematischen Reviewprozess unter Einbezug der epidemiologisch orientierten Fachgesellschaften zugeführt werden soll.

Es wird mit dem Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsforschung, Universitätsklinikum Dresden, kooperiert.

BERUFSBILDUNGSFORSCHUNG

Interprofessionelle Teamarbeit „Durch Barrieren schneiden“
Projektleitung: Prof. Dr. Sarah König, Sonia Sippel (Universitätsklinikum Würzburg);
Prof. Dr. Felix Walcher, Christiane Wagener (Universitätsklinikum Magdeburg)
Projektverantwortliche am ISMG: Dr. Anke Spura

Drittmittelprojekt (Robert Bosch Stiftung, 01.10.2016 - 30.09.2018)

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Arbeitsteilung und Multiprofessionalität im Gesundheitswesen nehmen interprofessionelle Kompetenzen und die Kommunikation einen steigenden Stellenwert schon in der Ausbildung ein. Um die interprofessionelle Zusammenarbeit speziell im chirurgischen Kontext bzw. im (peri)-operativen Management zu stärken, wird ab Wintersemester 2016/17 das Projekt „Durch Barrieren schneiden“ an den Universitätskliniken Würzburg und Magdeburg als Workshopkonzept implementiert. Im Rahmen der interfakultären Kooperation findet ein enger Austausch auf didaktischer und wissenschaftlicher Ebene statt.

Der dreiteilige, interaktive Workshop zielt auf eine nachhaltige Verbesserung von Kompetenzen zur interprofessionellen Zusammenarbeit und Kommunikation. Medizinstudierende im Praktischen Jahr (Tertial Chirurgie) und Auszubildende im 2. und 3. Ausbildungsjahr simulieren gemeinsam Alltagssituationen der Zusammenarbeit, reflektieren das Erlebte und trainieren Techniken zum professionellen Umgang in prototypischen oder schwierigen Situationen. In den Workshops kommen verschiedene Lehr-Lern-Methoden und Feedback-Übungen zur Anwendung (u. a. Kleingruppenarbeit, Reflexionsaufgaben, Rollenspiele, Simulation,  360-Grad-Feedback, Critical Incident Technique [Identifikation von Szenarien, die in der Kommunikation unterschiedlicher Berufsgruppen als bedeutsam im Berufsalltag erlebt werden]). Das Team der Workshop-Leitung setzt sich aus den Vertretern und Vertreterinnen der Humanmedizin, Sozialwissenschaft, Psychologie, Krankenpflege und Operationstechnischer Assistenz zusammen.

Das gesamte Projekt wird wissenschaftlich begleitet, was zur Qualitätssicherung und weiteren Entwicklung der Workshops beiträgt. In einem begleitenden Forschungsprojekt sollen die positiven Effekte der berufsgruppenübergreifenden Ausbildung gemessen und die Auswirkungen der Teamarbeit auf die beruflichen Rollenerwartungsbilder, die Patientenversorgung, die persönlichen Kompetenzen und die Kommunikation untersucht werden.

 

Laufende Projekte im Rahmen des Lehrstuhls "Gesundheitsökonomie"

(derzeit in Überarbeitung)

Abgeschlossene Projekte des Instituts finden Sie auf den Seiten des Forschungsportals Sachsen-Anhalt oder ab 2015 in unserem Archiv.

Eine Übersicht über unserer Partner ist unter dem Menüpunkt "Kooperationen" zu finden.

Letzte Änderung: 19.10.2018 - Ansprechpartner: Silke Piedmont
 
 
 
 
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